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Abenteuer – Seidenstrasse.
Auf den Spuren von Sven Hedin 2005
Ein Fahrtenbericht von Roland Kiemle
Es ist Ende September und der Herbst hat sich erhoben. Wir sitzen in der gemütlichen uigurischen Kneipe bei den „ Tausend Buddha Höhlen von Kizil „ als ein gewaltiger Schlage wie von einem Bulldozer der gegen eine Wand fährt, das ganze Haus erzittern lässt. Ein jeder schnappt nach seinen wertvollsten Utensilien und stürmt ins Freie : dort steht bereits hochaufgerichtet und völlig außer Atem unsere Rang – und Dienstältester Peer triumphierend im Hofe, wie einst Gabriel bei der Vertreibung der Ureltern aus dem Paradies. Er hält kein Flammenschwert , dafür in jeder Hand eine leere Bierflasche. Ungefähr so , wie seinerzeit Sitting Bull nach der Vernichtung von General Custers Kavallerie am Little Big Horn gestanden hatte. Darauf angesprochen warum er gerade leere Bierflaschen retten wollte , meinte seine bessere Hälfte: „ er sorgte sich um das Flaschenpfand ! „Sogar bis in die hinterste Ecke Chinas hat sich der paranoide Gesetz eines grünen Umwelt-Ministers durchgesetzt. Es war ein Erdbeben der Stärke 4, wie wir später erfahren haben.
Bereits seit zehn Tagen waren wir unterwegs im östlichen Teil der chinesischen Republik an der Grenze zu Sibirien , der Mongolei und Kasachstan. Von Urumqi aus hatten wir entlang des östlichen Dsungarei-Beckens die Wüste Tünggüt durchquert , hoch zum Altai Gebirge wo wir am Kannas See unterhalb des 4.374 m hohen Freundschaftsgipfel Quartier bezogen. Vor einigen Jahren wurde das Gebiet um den See zum Naturschutzgebiet erklärt und ist seit dem letzten Jahr ein Nationalpark.
Von der Stadt Burgin steigt die Strasse ständig und in kurzer Zeit ist man auf einer Höhe von über 2500 Metern. Als wir den ersten Pass hinter uns hatten , blickten wir in ein Tal mit hunderten von Jurten. Dazwischen Kamele , Pferde , Yaks und Esel und grosse Herden von Ziegen und Schafen Vor den Yurten herrscht emsige Betriebssamkeit. Frauen stampfen Butter in groben Trögen, Reiter sammelten ihre Herde ein, Kamele wurden beladen denn der Winter stand vor der Tür und man rüstet sich für die Abreise ins Winterquartier.Je weiter wir jetzt nach Norden kommen, umso mehr dominiert das Gelb der Birken. Die winterliche Schärfe der Luft wird jetzt schon von einer Sonne gemildert , welche die bewaldeten Höhenzüge des Altai ins Licht taucht und mit einer angenehmen Wärme auf diese Welt aus Seen und endlosen Wäldern herniederstrahlt. Unsere Gastgeber haben auf allen Zimmern ausgediente wollene Offiziersmäntel der Volksarmee als zusätzliche Wärmepolster ausgelegt und als wir in der kalten Abenddämmerung mit dieser Bekleidung zum Essen marschierten , bestand ein chinesischer Tourist auf ein Foto. Sehr wahrscheinlich vermutete er die letzten Einheiten des Langen Marsches vor sich zu haben.
Die Temperatur sank weit unter den Gefrierpunkt . Von Wang unserem Fahrer hatten wir eine Flasche chinesischen Schnaps bekommen die wir jetzt auf der Bude von unserem Doc gegen den Frost einsetzen wollten. Schon beim ersten Schluck stellten sich beim erfahrenen Mr. Fox deutlich der Schnurbart nach oben. Es war der im ganzen Land Schrecken verbreitende Erguotou – Schnaps aus heimischer Produktion , der dem chinesischen Bürger gute Dienste leistet bei der Marterung wehrloser Geiseln ( sprich: Geschäftspartnern) sowie dem Vernehmen nach als Motorradsprit und Kakerlakengift. Populär bei Taxifahrern , Polizisten und Poeten ist der gleichnamige Flachmann, ein kleines Fläschchen zu drei Yuan. Liegt gut in der Hand und lässt sich im Notfall auch ohne die Zutaten von Fremdchemikalien als Molotow-Cocktail verwenden. Angeblich besteht seine Zusammensetzung aus Alkohol , Tabaksaft , Zucker und Arsen. Es ist aus diesem Grunde kein Wunder wenn bei so einer Gelegenheit der Ruf gan -bei ! Es erschallt und das ebenso oft „ Schauder der Furcht durch Rückgrat und Leber schwächere Naturen jagen.“ Wörtlich übersetzt heißt gan-bei „ das Glas trocknen“ und ist auch so gemeint. Kein Tropfen darf übrig bleiben. In dieser Nacht sind wir mit unseren Gesängen Koltschak gefolgt zu den Ufer des nordöstlich von uns gelegenen Baikalsees und als wir am Amur angekommen waren , ging ein schon vertrautes Schnarchen durch die Hütte. Mit einer Sammeltaxi verlassen wir unsere Unterkunft am nächsten Morgen und zusammen mit einer Gruppe Chinesen aus dem Südosten des Landes, verlassen wir das Grenzgebiet und den Nationalpark.
Privatfahrzeuge dürfen nicht ins Naturschutzgebiet.
Beim „ Tal der tausend Jurten „ wartet unser Fahrer. Ein langer Weg liegt vor uns. 850 Km über Karamay und den Fossilienwald ( das chinesische Monument Valley ) geht es nach Kuitun am Tian Shan Gebirge. Eine Fahrzeugpanne lässt uns spät in der Nacht erst ankommen. Unsere Weiterfahrt zur kirgisischen Grenze ist durch einen Bergrutsch nicht möglich.
Wir beschließen daher den Umweg über Urumqi und überqueren das Himmelsgebirge östlich davon. Ab jetzt folgen wir der legendären Seidenstrasse nach Korla . Unser Fahrer besorgt nochmals eine Flasche dieses bereits bekannten Gesöffs zur Aufmunterung der Mannschaft , was die meisten in einen Tiefschlaf versetzt, bei Klaus zu einer strikten Verweigerung führte und bei Cosima zu einem Gesichtsausdruck der für drei Beerdigungen gereicht hätte. Doch mit einem lauten Knall wurden alle in die Wirklichkeit zurückgeholt. Der Wagen machte ruckartige Bewegungen , es knackte verdächtig aus den unteren Bereichen des Fahrzeuges , der Fahrer rührte an seiner Gangschaltung und konnte das Gesuchte nicht finden da es nicht mehr vorhanden war. Irgendetwas im Getriebe war gebrochen , und man konnte es an den grausen Stirnfalten unserer beiden erfahrenen Technikern Mike und Klaus erkennen , hier hilft kein schmieren oder salben.Im Rollen ohne Motorantrieb erreichen wir eine Karawanserei auf der abfallenden Seite des Passes. Das Getriebe ist futsch . Wir flüchten uns unter das Dach einer Kneipe und beraten was zu machen ist. Aber Ali, unser uigurischer Guide stoppt einen Linienbus und Stunden später sind wir in Korla, den Fahrer mitsamt seinem Fahrzeug lassen wir zurück.
Bei allen Unternehmungen im westlichen China waren es immer ein Chinese und wenn notwendig ein Uigure die ein Team bildeten . Sicherlich vom Staate so gewollt.
Das händlerische Element liegt den Turkvölkern im Blut, es ist ihr gemeinsames Erbe aus der Blütezeit der Seidenstrasse. Der Islam ist der Kitt der sie zusammenhält , und gemeinsam ist ihnen der Hass auf die herrschenden Chinesen.Aber die chinesischen Kaiser ließen es weitgehend mit militärischer Kontrolle , Steuer und Tributleistungen bewenden und tolerierten die freie Handelstätigkeit der Turkvölker , genauso wie deren Religion und eigenständige kulturelle Traditionen. Als aber während der Kulturrevolution die Chinesen begannen , diese Völker zu unterdrücken kam es zu wirtschaftlichen Katastrophen und bitterem Hass. Ein Hass der überall zu spüren ist. Erst seit der Öffnung Chinas wird wieder ein Mindestmaß an Toleranz geübt. Trotzdem wird man von den meisten Uiguren hören, nur ein abreisender Chinese ist ein guter Chinese. Jetzt wurde uns auch klar warum unser Ali auf unsere Fragen: ist es ein chinesischer - oder ein uigurischer Friedhof da am Wegesrande , immer mit einem breiten Grinsen einen chinesischen Friedhof bestätigte und je größer der Friedhof desto breiter das Grinsen. Von Korla nach Kuqa meint es die Seidenstrasse etwas gnädiger mit uns. Mit einem Ersatz –Fahrzeug machten wir den bereits erwähnten Abstecher zu den Tausend Buddha Höhlen , und folgten dann der Strasse in Richtung Kashgar.
Im Hotel in Aksu wurde mir von der Herbergsverwaltung ein Informationsblatt vorgelegt,welches die Gruppe zur Kenntnis nehmen sollte.
- Gäste die bei uns übernachten werden von unserem Management beobachtet.
- Es ist strikt verboten Waffen und Munition auf die Zimmer zu nehmen. Diese müssen für die Dauer des Aufenthaltes bei der Polizei oder dem Miltär abgegeben werden.
- Es ist weiterhin verboten explodierende Sprengsätze , radioaktives Material auf dem Zimmer zu haben.
- Es ist strengstens verboten herumzuhuren sich zu prostitionieren oder obszoene Bilder anzuschauen.
- Es ist verboten im Bett Feuer zu machen oder zu Rauchen.
- Passen sie gut auf die Inneneinrichtung auf , es ist Volkseigentum und wir verlangen den vollen Preis für alle Schäden.
Gez.
Bao Rui Hotel
Selbstverständlich haben wir alle Regeln eingehalten – nur der Zar glaubte seine überschüssige Kraft an der Hoteltür auslassen zu können, und riss Türgriff mitsamt dem Schloss aus der Halterung. Es dauerte längere Zeit bis man sich über die Höhe des Schadens geeinigt hatte und ein diplomatischer Zwischenfall verhindert werden konnte.
Zu unserer Rechten erhebt sich das gewaltige Gebirgsmassiv des Tian Shan, überragt von dem 7439 Meter hohen Pik Podeby Pappelalleen bilden kleine Oasen, vereinzelt wächst Steppengras, Tamariskenbüsche umsäumen versalzene Tümpel. Wohlschmeckende , große Birnen werden in Kisten angeboten, das ganze umgerechnet für 2 Euro. Wir folgen den Spuren von Sven Hedin entlang des nördlichen Randes der Taklamakan-Wüste und kommen nach Kashgar. Kashgar, schon von Marco Polo hochgelobt, ist die meerfernste Großstadt der Welt und die westlichste Stadt Chinas. Sie liegt 1.200 m hoch und bringt es zu Temperaturen von über 40 Grad im Sommer und minus 25 Grad im Winter.
Wir wohnen am Eingang zur Handwerkerstrasse und begeben uns sofort nach der Ankunft auf Erkundigungstour. Wolfgang und Nina die Jüngsten der Waldeck Rentnerband sind bereits im Menschengewühl entschwunden , nur von Nina taucht ab und zu noch der vollgepackte Rucksack auf dem Rücken zwischen den Kamelen und Eseln auf. Es war des Rätsels Auflösung , da wir für einen Moment nicht sicher waren eine zoologische Sensation entdeckt zu haben , ein dreihöckriges Kamel . Posch , posch – Platz da! Ruft mir der Uigure zu und schon hab ich die Deichsel eines Esel-Karrens im Kreuz und ich springe zur Seite. Der Eselskarren holpert vorbei , in eine Wolke morgendlichem Staub gehüllt.
Sonntag ist Markttag in Kashgar: kein inszeniertes Schauspiel, sondern ein wahrhaft grandioses, eine echte Attraktion. Schon am frühen Morgen kommen die Besucher aus allen Richtungen, Eselskarren, Pferde-Droschken und Traktoren formieren sich auf den schnurgeraden Pappelalleen zu schier endlosen Kolonnen. Zehntausende sind es, die das Gelände am Ufer des Duman in einen riesigen Basar verwandeln. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Von Kleidern in Leuchtfarben bis hin zum Steigbügel, vom Teppich bis zur Rasierklinge, vom gebrauchten Schuh bis zur Fernsehröhre. Da kramen Frauen, den braunen Schleier übers Gesicht gezogen, Ihr Geld ausdem Strumpf, da feilschen zwei, die ihre Pelzmützen trotz hochsommerlicher Temperaturen nicht vom Kopf nehmen, um ein Schaf, und da treibt ein uigurischer Cowboy sein Pferd in den Fluß um dem zögerlichen Käufer zu beweisen, dass der Klepper nicht wasserscheu ist.
In der Altstadt von Kashgar, einem Labyrinth kleiner Gassen und Sträßchen, geht das Leben seinen Gang, als habe jemand vor Jahrhunderten die Zeit angehalten . Wie seit Menschengedenken kommen die Bewohner der Stadt zum Basar zusammen. Überwiegend sind es Uiguren, ein zentralistisches, in Sprache und Kultur den Türken verwandtes Volk. Aber Tadschiken und Kirgisen aus den Bergen des Pamir und Tian Shan haben Teil an dem bunten Treiben. Nur Chinesen lassen sich hier kaum blicken. Unvergessen ist die Zeit als die marodierenden Roten Garden Menschen auf die brutalste Weise folterten und Tausende umgebracht wurden. Eine ganze Generation – die derzeit im Westen abdankenden 68 er –sah in dem „Großen Vorsitzenden „ einen Helden des sogenannten antiimperialistischen Befreiungskampfes und demonstrierten unter dem Banner Maos durch die westlichen Metropolen. Mit über 40 Millionen Toten musste das chinesische Volk für diese Auswüchse ihres zynischen Potentaten bezahlen. Es ist daher kein Wunder , dass kaum ein Uigure Zuneigung aufbringt für die Han-Herren. Schuld daran ist auch heute noch die Arroganz , mit der sich Chinesen , häufig ganz ungeniert oder auch unbewusst , allem Nichtchinesischen nähern. Maßstäbe und Werte zu akzeptieren , die nicht auf der eigenen Tradition und Kultur beruhen , fällt ihnen schwer , und das liegt vermutlich daran, dass sie sich jahrhundertelang als Mittelpunkt der Welt begriffen haben.
Wir verlassen Kashgar zuerst in allgemeiner Richtung Pakistan auf dem Karakorum Highway folgen dann aber dem südlichen Rand der Taklamakan. Schon beim verlassen der Stadt entfaltetet sich ein Panorama von bizzarer Schönheit: Kahle Berge , ducken sich vor den schneebedeckten Gipfel der Siebentausender . In südlicher Richtung treffen das Karokorum – und das Pamirgebirge aufeinander.
Hotan heißt unser heutiges Tagesziel. In dieser Oase machte schon Marco Polo im dreizehnten Jahrhundert auf seiner Reise von Venedig zum Hof des Mongolenherrschers Kublai Khan Station. Alles was der Mensch braucht findet er hier im Überfluss . Die Einwohner besitzen Landgüter , Weinberge und zahlreiche Gärten. Sie verdienen sich ihr Leben durch Handel , sind aber keine gute Soldaten. So schrieb Marco Polo in sein Reisetagebuch.
Was der Edelmann und Abenteurer offensichtlich übersehen hat: Hotan war und ist vor allem wegen seiner Jade bekannt. Hin und wieder schieben sich entlang der Strasse die sanften Rundungen von Sanddünen bis unmittelbar zur asphaltierten Piste. Grasende Kamele und vereinzelte Karawanen werden gesichtet . Beeindruckend sind immer wieder die freundlichen Menschen und das für Europäer so fremdartige Leben und Treiben in Dörfern und vor allem im Basar .Hier scheint die Zeit seit den Tagen Sven Hedins stehen geblieben , sieht man einmal von den Zeugen neuzeitlichen Einflusses ab. Am nächsten Morgen geht es bereits um fünf Uhr auf die Piste. Wir verabredeten uns mit einer weiteren deutschen Gruppe die Durchquerung der Taklamakan im Konvoi durchzuführen, sollte es zu einer Panne kommen kann man sich gegenseitig helfen. Es sind 780 Km von Minfeng bis zum nördlichen Rand der Wüste bei Korla. Es ist fast dieselbe Strecke die damals Sven Hedin gezogen ist.
Die neue Strasse wurde zur Erschließung der vorhandenen Ölquellen gebaut und ist durchgehend geteert Alle 10 Km steht eine bewohnte Pumpenstation, die mit kleinen Plastikleitungenfür die Bewässerung der angepflanzten Tamarisken sorgt. Stundenlang links und rechts derPiste die bizarren Formen der Sanddünen. Wir halten ab und zu bei den Pumpstationen und versuchen mit den dort arbeitenden Menschen ins Gespräch zu kommen. Bei einem dieser Stopps treffen wir auf ein Kamerateam des staatlichen Fernsehsenders aus der alten Kaiser-Stadt Xian. Wir werden gebeten über unsere Reise zu erzählen und da Ingo gerade seine Gitarre stimmte, wollte man ein deutsches Lied hören. Am darauffolgenden Freitag kam dann zur sogenannten „Primezeit „ über den Sender Xian : „ Wo wollt ihr hin, ihre tollen Jungens „gesungen von einem Chor der bereits das Pensionsalter überschritten hat.
Turfan ist das Zentrum einer 10.000 qkm großen Oase., das entspricht etwa der halben Größe Hessens. Mit 154 Metern unter dem Meeresspiegel ist sie die tiefste Stelle Chinas. Bewässert wird die Oase mit Hilfe des alten aus Persien stammenden Karez-Systems. Süßmelonen , kernlose Trauben und Baumwolle bilden heute noch den Hauptanbau. Interessante Ziel sind die Flammenberge und die „Tausend-Buddha-Höhlen „ von Beizeklik. Das deutsche und britische Archäologen die wertvollsten Malereien für ihre Museen in Berlin und London mit-genommen haben, können die Chinesen bis heute nicht vergessen.
Die einen zerkratzten im Bildersturm die Gesichter, die anderen verwendeten die mit Temperafarben bemalten Lehmschichten zum Düngen ihrer Felder – „ Kunst-Dünger „ im zynischen Sinn des Wortes.
Mit dem Nachtzug von Turfan durch die Wüste Gobi. Wir hatten drei Schlafabteile und benutzten diese für ein gelungenes Fest mit viel Gan-bei , chinesischem Schnaps und Liedern in allen Sprachen dieser Welt Dies störte einen Landsmann , nicht wegen der Lautstärke , aber wie er angab an den Texten – ein typisch deutscher Korinthenkacker ! Nach der hingeworfenen Drohung , er könnte der erste Deutsche sein der aus dem fahrenden Gobi-Express abgesprungen ist , verzog er sich in sein Abteil und ward erst wieder am Zielort Liuyuan ge-sehen worden. Als wir seine angetraute Begleitung dann gesehen haben , wussten wir : dieser Mann ist genug bestraft. Es war auf jeden Fall ein gelungenes Fest mit internationaler Beteiligung. Selbst der “Tenno“ (von uns so genannt da wir seinen Namen nicht merken konnten) stellte seine japanischen Stimmbänder der guten Sache zur Verfügung und tanztevor dem Abteil des eben erwähnten unsympatischen Landsmannes , wobei wir nur die WorteBanzai und Toro einigermassen verstanden. Ein Franzose war überrascht über unseren internationalen Liederschatz und gesellte sich zu uns nachdem Karsten ihn aufgeklärt hatte.
Weibliches Personal der zweiten deutschen Gruppe sorgten für entsprechendes Balzverhalten. Ein Schweizer Ehepaar meinte wohl sie hätten nicht geschlafen , aber unser Gesang hätte sie dafür entschädigt. Zum Frühstück gab es auf den in Mengen getrunkenen chinesischen Lotus-blütenschnaps , noch einen kräftigen Schluck aus dem Fuchs seiner Kantina. Diese hochexplosive Mischung von Hochprozentigem in Verbindung mit heißem Tee aus Mohnschalen gewonnen, strafte den edlen Spender mit einem Sturz, bei dem Versuch eines einfach gesprungenen doppelten Rittbergers auf dem glatten Parkett einer Kneipe.
120 Km sind es von der Bahnstation mitten in der Schwarzen Gobi bis nach Dunhuang. Ein traumhaftes Erlebnis waren noch vor Jahren die Sanddünen um den Mondsichelsee und der Besuch der Magao-Grotten.
Die Höhlen wurden vom vierten bis zum 13. Jahrhundert angelegt – zum Dank für eine glückliche Rückkehr oder als Bitte für eine gute Reise. Sie zeigen lückenlos die Entwicklung der chinesischen Malerei und gelten als kunstgeschichtlich bedeutendstes Höhlensystem der Erde. Doch was sich heute vor diesen Höhlen abspielt ist ein Gedränge wie auf Shanghais grösster Einkaufstrasse . Die Sanddünen um den Mondsichelsee werden von tausenden Besuchern mit allen möglichen Transportmitteln und Menschenmassen zugedeckt. Wir zählten über 250 Kamele die Touristen durch die Dünen schaukeln, dazu eine Bahn, Ultralight-Flugzeuge, Geländewagen und Motorräder , dazu die Preise für Ausländer: Eine Tasse Kaffee umgerechnet 4.- Euro.
Was sich heute unter dem Oasenort eine idyllische Welt vorstellt , wird herb entäuscht.
Dunhuang ist heute das typische Erscheinungsbild einer modernen langweiligen und schmucklosen chinesischen Stadt. In einem etwas heruntergekommenen kleinen Cafe` wo die Tischtücher seit der Durchreise von Sven Hedin nicht mehr wie zweimal gewechselt wurden, treffen wir einen jungen Deutschen der mit den Fahrrad durch die Wüste sich vorgenommenhat. Sein Motto: „ Lieber mit dem Fahrrad durch die Wüste , als mit dem Mercedes ins Büro“!
Wir erkannten sofort den Bruder im Geiste , spendierten zum letzten mal dieses Gesöff welches unauslöschlich mit dem Schlachtruf „ Gan-bei „ verbunden ist , wünschten dem Fahrtenbruder alles Gute , den Wind von hinten ,und am Abend ein gutes Biwak unter dem klaren Sternenhimmel.
Der Flug von Dunhuang nach Peking musste wegen eines Sandsturmes weit über das tibetanische Hochland umgeleitet werden. Im herrlichsten Sonnenschein lag die zum Teil über 6000 Meter hohe Gebirgskette. Gleich darauf wird der Gelbe Fluß unter uns sichtbar, die Große Mauer. Beim Anflug auf Peking konnte man sehr gut die Umrisse der Grossen Mauer erkennen, auch die Narben in der Natur, die neue Strassen und andere gewaltige Bauwerke für die kommenden nächsten olympischen Sommerspiele ankündigen.
Das übliche Peking-Enten Essen wird abgespult, nützliches und unnützes aus dem gigantischem Angebot der Basare gekauft. Ingo gibt zuallerletzt noch den Stand des „ Rodalben – Fonds“ bekannt für die geplante Fete auf der Weitscheidt und Peer fasst ein Resumee über eine gelungene und erlebnisreiche Fahrt „ Ein Ziel haben, schaffen, träumen, die Vorstellungskraft üben, denken, entdecken, erfinden, in Geheimnisse eindringen, die Türen zum Unbekannten öffnen – das ist die Fahrt, das ist das Abenteuer. Freunde mögen diese Tage nie vergehen !
Roland Kiemle
