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Dort, am Weg nach Mandalay......

Ihr Name war: Supi-Yaw-lat, wie der
einer Königin. Im Hafen von Mandalay.
Eine altbewährte Fahrtengruppe aus dem Freundeskreis von Maulbronn und Waldeck, hatte sichauf den Weg gemacht um den Spuren von Rudyard Kiplings Gedicht „ Mandalay „ zu folgen.
Mandalay, das ist jene große, pagoden – und tempelreiche Stadt am mittleren Irawady Fluss, von Sagen umwoben wie aus einem Märchen, von alter, wilder Geschichte und noch älteren wilderen Geschichten.
Der Irawady Fluss ist die in Kiplings Ballade beschriebene „ Road to Mandalay " , dieser gewaltige im östlichen Himalaya entspringende Fluss , Lebensader für Millionen Menschen.
Mandalay war die Hauptstadt von Ober-Burma und wurde erst im Jahre 1885 von den Briten erobert. Und nach der Gefangennahme des letzten Königs Thiba ( oder Theebaw wie Kipling in schreibt) zur Aufgabe gezwungen. „Mandalay" heißt auch die großartigste der Kiplingschen Soldatenballaden. Ein entlassener britischer Soldat singt sie, einer der damals noch echten „Tommys" (nach dem kleinbürgerlichen Allerweltsnamen Tommy Atkins irgendeiner der ärmlichen Freiwilligen, aus denen allein sich ursprünglich die britische Armee zusammensetzte. Mit diesen höchst simplen, aber gutgedrillten und von Natur zähen Tommy Atkins ist das britische Weltreich zusammengebracht – und gehalten worden)

Das braune Mädchen aus Burma
Für uns hat diese von einem Unbekannten vertonte Ballade zum ersten Mal der „ alte Hein „und auch der „ Muschik" gesungen. Das Lied gab den Ausschlag für meine erste Reise nach Burma – welches die Miltärjunta in Myanmar umgenannt hat.
Auf dieser Reise zum Moulmein Tempel, lernte ich eines dieser hübschen braunen Mädchen kennen und sie besorgte uns die Genehmigung für diese jetzige Reise in den Norden von Burma, nahe der chinesischen Grenze. Dort soll uns ein Schiff den Irawady hinunterbringen nach Mandalay.
Genau um 14:00 Uhr verlässt der Myitkyina Express den Bahnhof und setzt sich schaukelnd in Bewegung. Wir haben „ upper class „ gebucht mit weichen Polstern und Gepäcknetzen zum schlafen. Der Zug hat die wunderbare langsame Geschwindigkeit, bei der man die Schweißnähte in den Schienen noch spürt und Jürgen in seiner unnachahmlichen Art stellt sofort einen singbaren Text zusammen „ gedunggedung „ und „ dengedengedeng“ Bömmes und „ durch den Wald „ stimmen die Klampfen, während wir an Hinterhöfen vorbeifahren in denen die Kochstellen brennen. Der Geruch von Rauch und brennenden Holz. Vor den Feuern kauern Frauen, das Abendessen wird zubereitet . Im Abteil zeigt die Temperatur über 30 Grad. Wir singen „ es regnet schon lang, 10 Tage mag sein...“
nur um wenigstens durch den Text zu etwas kühleren Temperaturen zu kommen.

Im Nachtzug von Mandalay nach Norden
Nexter Stop: Shwebo – es ist bereits dunkel. Frauen und Kinder bieten Getränke und Früchte an. Weiter geht die Fahrt durch die Nacht.
In der Zwischenzeit ist es 4:00 Uhr morgens. Wir steigen aus in Naba und fahren mit einem brandneuen Truck eines Opium –Lieferanten nach Katha am Irawady. Kurz danach biegt das Irawady Tal scharf nach Osten ab, in Richtung chinesischer Grenze. Im Glanze der aufgehenden Sonne lag unser Pott am Ufer vertäut.
Was nun folgte war eine meiner großartigsten Fahrten in Asien und als wir nach einer knappen Woche den Hafen von Mandalay anliefen und Werner das gleichnamige Lied anstimmte, waren auch die Kranken wieder an Deck, „ denn wir sind in Mandalay „ ...Aber eigentlich wollte ich über die Geschichte von jenem Tommy berichten der fröstelnd durch London zieht unter seinem durchnässten Regenmantel. Jener kalte rußgeschwängerte Sprühregen, der London zum erbärmlichsten Ort auf dem weiten Erdenrund zu entwürdigen vermag, zieht in unablässig wandernden Schwaden über die Ufer des Flusses. Tommy wandert unsicher über die glitschigen Pflastersteine. Das winterliche Wetter weckt in ihm die Malaria in den alten Soldatenknochen – hat er doch die besten Jahre seines Lebens in Burma verbracht. Gewiss, Offizier ist er nicht geworden.

Auf dem Irawady bei Mandalay
Das lag für ihn mit seinem Englisch aus East-London außerhalb jeder Reichweite; aber ein paar Winkel auf dem Ärmel – dazu hat er es doch gebracht. Nun wandert er der feuchten Themse entlang und wartet auf seine derzeitige Braut , die irgendwo in Chelsea Hausmädchen ist und ewig von Liebe schwätzt. Plötzlich bricht es aus dem frierenden Tommy hervor , dem das Heimweh nach Burma und nach Mandalay am Herzen frisst: “Ach was verstehn die hier schon davon! Mit ihren rosa-roten Beefsteak – Gesichtern, mit ihren groben, rissigen Händen – von Liebe, was? Ich weiß mir ein feineres, süßes Mädchen in einem reineren, grünen Land, dort am Weg nach Mandalay dort, wo im Strome die Boote zogen, wo ihre Ruder träge knarrten von Rangun bis Mandalay – dort am Weg nach Mandalay spielt der Flugfisch, jagt der Hai und der Tag, von China dämmernd, schwillt wie Donner durch die Bai „.
Im Herzen des einsamen, für sein Geburtsland ewig verlorenen Soldaten regt sich der heiße, bittere Wunsch:
„Lasst mich über Suez fahren ,
wo noch jeder Kerl was gilt ,
wo nicht jeden , den mal Durst quält
frömmelnd man als Säufer schilt !
Denn die Tempelglocken läuten
ewig mir und locken laut
in das Land , wo übers Wasser
ruhig die Pagode schaut.
Wo die großen Schiffe liegen ,
deren Räder so rumoren ,
wo die Silberfische fliegen
vor den alten Tempeltoren .
Dort am Weg nach Mandalay –
dort , wo unsere Schiffe lagen –
mit den Kranken unterm Sonnensegel –
dort , an der Straße nach Mandalay."
Bei der alten Moulmein – Pagode sitzt sein zierliches braunes Mädchen mit dem gelben Röckchen und den grünen Käppchen – Supi-yaw-lat hieß sie ( der Name der letzten Königin von Burma ) , und sie rauchte eine jener großen , grünen , selbstgedrehten burmesischen Zigarren , betet ein wenig vor dem Götterbild und küsst seinen steinernen Fuß – und das Mädchenherz sehnt sich nach ihm . : „ komm zurück du Britenkrieger , komm zurück nach Mandalay !“
Und immer weiter das große , das unerschöpfliche Gedicht, das ganz Burma einbezieht, so dicht und echt , wie es nicht besser zu beschreiben wäre:
„ Wenn die weißen Abendnebel auf die weiten Felder fielen, griff sie gerne nach der Laute, um ihr kleines Lied zu spielen“ ........
„und wie hielten Arm an Schulter
und wir drückten Mund an Wange,
und wir sah’n die großen Schiffe
ziehen in ihrem leisen Gange
und wir sah’n der Wipfel Wiegen
Arm in Arm , und traumverloren
Saßen selig wir und schwiegen
Vor den alten Tempeltoren... „
„ Elefanten türmten Teakholz
in dem glucksenden Morast –
Jeder wie von selber schwieg ,
den die Stille um uns her
wurde riesengroß und leer.
Dort – am Weg nach Mandalay ----.“
Da stolpert er hin, der entlassene Tommy, mit der Sehnsucht nach Burma im Herzen – es geht kein Bus und keine Straßenbahn von Piccadilly bis nach Mandalay -, und er weiß, daß ihm Burma ewig in den Knochen steckt wird, dass die Erinnerung in ewig quälen wird.
Erinnerungen an sauere Gerüche am Dschungelrand und an Knoblauchduft aus offenen Türen am Abend – an die große Sonne , das Rauschen der Palmen und den tiefen Gesang der Tempelgongs und Glocken, das Geklingel der Glöckchen – und natürlich , denn Tommy Atkins ist ein einfacher Mann und kein Naturschwärmer, die Erinnerung an die kleine braun-häutige, sanftäugige Supi-Yaw-lat mit der nie versiegenden Heiterkeit und stillen Zärtlichkeit, die sie in allen Fasern des Daseins bewahrte.
Oske
(Roland Kiemle )
